Schnellsandige Zeit, immer neu gemessen.
Der jüdische Monat Ijar 5728 entspricht dem Juni 1968 unserer christlichen Zeitrechnung. Für Muslime ist Mohammeds Flucht nach Medina im Jahre 622 die Maßzahl. Der ägyptische Sonnenkalender, der babylonische Mondkalender, die Mayas oder die Revolutionäre von 1789, jede Ära hat ihre eigene Zeiteichung etabliert.
Jedes menschliche Wesen setzt seine eigene Geburt als Ursprung einer neuen Zeit auf der Skala seiner Herzschläge. Wird die Zeit mit dem Ende dieses Pulsschlags aufhören zu existieren? Die Essenz der Zeit ist der Ablauf des Lebens.
Ist die Zeit nur eine Illusion, die die menschliche Furcht vor der Leere versteckt, die Jahresflut vortragend, um den Abgrund zu vermessen, der sich zwischen dem unendlichen Nichts und der ewigen Nichtigkeit.
Für meinen Teil habe ich als "Null" den Tag meines ersten Zusammentreffens mit Marian Murdoch gesetzt, vor genau 20 Jahren im gregorianischen Kalender. Den Tag "Halb-Null" 10 Jahre später, der Moment des ersten Gesprächs mit R. Junghanns in Györ. Den Tag "Viertel-Null" vor 5 Jahren, das Datum des ersten E-Mails an Anelia Pavlovla. Ich empfand alle diese "Nullen" als eine Kette das Universum verbindend, ein Reisignest bauend, in der die Freundschaft geboren wurde. Ausserhalb der Zeit, des Raums, der Nationalität, der Religion, der Rasse, des Geschlechts, des Alters
."Kunst drückt nur das Universum aus", sagte Aristoteles. Verfolgt nicht immer schon jeder Dichter, Philosoph, Künstler dieselbe Suche nach dem Ausserzeitlichen, dem spiralenförmigen oder zickzackhaften Augenblick, welcher nichts mit dem Absoluten oder mit der zeitlichen Linearität zu tun hat. Der "Sein" in der "Gegenwart-Sein" ist.
Alle Teilnehmer haben mir ihr Glück erklärt, die Kluften in diesen schwierigen Zeiten zu verringern. Eine Sekunde des Krieges erzeugt ein Jahr des Leidens und ein Jahrhundert der Scham. Kunst dagegen erzeugt die "Epiphanie".